Angie Thomas, On the Come Up

Angie Thomas, On the Come Up, cbj, 2019

Was Bri ist: eine großartige Rapperin, seeehr hitzköpfig, heimlich in ihren besten Freund verliebt. Was Bri nicht ist: eine „ratchet hood rat“ und eine Drogendealerin. Aber genau als solches wird sie hinter ihrem Rücken bezeichnet, seit ein Video geleakt worden ist, in dem die Schwarze Teenagerin von rassistischen Securitymännern ihrer Schule gewaltvoll festgenommen wurde. Aber Bri wäre nicht Bri, wenn sie das auf sich sitzen lassen würde. Die Newcomer-Rapperin released einen Song in dem sie die auf sie projizierten Vorurteile ironisch aufgreift, um sie zu kritisieren. Nicht ihr Problem, wenn die Leute so blöd sind und ihren Song für bare Münze nehmen! Oder doch?

Eine Schwarze Teenagerin, die davon träumt Rapperin zu werden, ein Vater (auch Rapper), der in einem Gangfight umgebracht wurde, eine Mutter, die heroinsüchtig war, eine Tante, die Drogendealerin ist – man könnte denken: ist das alles nicht zu Klischee? Nein, ist es nicht. Es ist einfach nur eine von vielen afroamerikanischen Lebensrealitäten. Und diese erzählt die afroamerikanische Autorin Angie Thomas so feinfühlig und intelligent, dass die Idee vom „Klischee“ gar nicht erst auftaucht. Im Gegenteil! Durch ihre vielschichtigen Figuren lässt Thomas die ganzen Labels – Rapperin, Ex-Junkie, Gangmember, Drogendealerin – in die Luft fliegen und erzählt stattdessen (u.a.) davon, wie zwischenmenschliche Beziehungen unter der Last der Umstände zerbröckeln und wieder zusammenwachsen.

Ich liebe dieses Buch,

  • Weil es eine der interessantesten und (in meinen Augen) schönsten Mutter-Tochter-Beziehung erzählt
  • Und weil Bri irritierend menschlich ist. Selten habe ich so sehr den Kopf über eine Hauptfigur geschüttelt, selten habe ich so oft gedacht „Was machst du, Mädel?!“, selten habe ich mich so sehr daran erinnert, wie unglaublich kompliziert es ist, 16, passionate, wütend, intense und verliebt zu sein.

Ein Buch für junge Hiphop-Fans ab 14, die wissen, dass Wut ein powervoller Motor ist und dass, wenn er anspringt, man manchmal gute Freunde braucht, um nicht gegen die Wand zu fahren.

PS: Ich habe das Buch auf Englisch gelesen und nur kurz in die deutsche Übersetzung reingeschaut. War positiv überrascht, nur, liebe Verlagsmenschen: Schwarz wird großgeschrieben!! Und liebe Schwarze deutschsprachige Menschen: wir brauchen ein deutsches Wort für „to suck ones’s teeth“. Es geht nämlich nicht, dass Generationen weißer Leser:innen denken, wir würden „die Zunge schnalzen lassen“, wenn wir „our teeth sucken“! Wir sind doch keine Reiter, die versuchen ihren Gaul zum Traben zu bewegen!:-S

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