Mama, Papa, wie habt ihr euch kennengelernt?

Thierry Lenain, Stéphanie Marchal, Mama, Papa, wie habt ihr euch kennengelernt?, Schaltzeit Verlag, 2020.

Eigentlich weiß Sofia ja, wie sich ihre Eltern kennen gelernt haben – hundert Mal schon hat sie die Geschichte gehört, wie ihr Papa mit dem Auto in eine Mauer gerannt ist, wie der Abschleppwagen, mit ihrer Mama am Steuer, angekommen ist und sich die beiden auf den ersten Blick verliebt haben. Doch Sofia muss die Geschichte noch einmal hören, weil sie nämlich beschlossen hat, sich bei allen Menschen und Dingen zu bedanken, die zum zufälligen Zusammentreffen ihrer Eltern beigetragen haben – und dank denen sie jetzt auf der Welt ist. Jede*r bekommt ein Dankeschön-Bild – vom Fußgänger, vor dem ihr Papa ausweichen musste, über die Mauer in die er gerannt ist, bis hin zu Ernest Holmes, der den Abschleppwagen erfunden hat. Und am nächsten Tag findet Sofia beim Aufwachen auch ein Bild für sich… von wem das wohl ist?;)

Ein Buch für neugierige Philosoph*innen ab 3 Jahren.

Dieses Buch vom weißen Schriftsteller Thierry Lenain zelebriert die Liebe und das Wunder der Existenz! Die naiven, kinderzeichnung-nachahmenden Illustrationen der weißen Illustratorin Stéphanie Marchal übersetzen das bildlich durch die Mischung zwischen Alltagsdetails und das ständige Auftauchen von verliebten Vogel- und Mückenpaaren. Nur die Wurstlippen des afroamerikanischen Jazzmusikers und der Tänzerin, die in der „Amerika-Illustration“ vorkommen sind einfach nur seufzaugenrollenseriously?! Und auch ob der indigene Amerikaner unbedingt mit Federschmuck dargestellt werden musste, kann man bezweifeln… (Die Schwarze Mutter hat übrigens auch einen anderen Mund als ihr weißer Mann und Sofia, doch der geht auf fast allen Illustrationen als geschminkter Mund durch.) ACHTUNG !!!!!!Ich habe die französische Originalversion gelesen!! Habe gerade gesehen, dass in der deutschen Version ein Riesenscheiss von wegen „Christoph Columbus hat Amerika erfunden und geglaubt, er habe Indien entdeckt und deshalb die Menschen I*** genannt“ drin ist! Das ist NICHT in der Originalversion drin! Keine Ahnung, was der Übersetzer (Andreas Illmann) der deutschen Version noch dazu erfunden hat!!

Bis auf den Lippen-Ausrutscher gefällt mir das Buch (in der französischen Originalausgabe !!!), weil

-ich Liebesgeschichten mag 

-Sophia eine der wenigen biracial Figuren ist, deren Mutter Schwarz ist

-die Mutter und ihre Freundin Abschleppwagen-Fahrerinnen sind und sie den Rasenmäher repariert, während der Papa ihr Kaffee bringt. (Als Erklärung dazu muss ich zugeben, dass ich eine Fahr-Phobie habe und seit über zehn Jahren nicht mehr hinter dem Steuer war – eine Abschleppwagen-Fahrerin ist für mich also der Inbegriff der Powerfrau!) 

(bin noch immer ein bisschen unter dem Schock der deutschen Übersetzung – wie gesagt, ich habe nur Ausschnitte auf Deutsch gelesen, dh könnte sein, dass noch andere problematische Stellen auf Deutsch hinzugedichtet worden sind…:-S Falls jemand die deutsche Version gelesen hat, gebt mir Bescheid!)

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