Schwarzes Europa. Legenden, die uns verborgen blieben.

PÄZ, Maria Theresia C.Aden-Ugbomah (Hrs.), Schwarzes Europa. Legenden, die uns verborgen blieben. Schwarze Jugendliche auf den Spuren ihrer Geschichte, ed. assemblage, 2017.

Black History Month ist auch Black European History Month. Wusstet ihr z.B., dass in den 1930 die Zeitschrift “The Negro Worker” in Hamburg gedruckt wurde und so in Deutschland vor schon fast 100 Jahren panafrikanische Geschichte geschrieben wurde? Dass der bekannte Schwarze Geigenvirtuose Chevalier de Saint-Georges sich während der französischen Revolution für die Rechte der Schwarzen eingesetzt hat? Oder dass Anton Wilhelm Amo, der Schwarze Philosoph und Universitätsprofessor, seine Dissertation (1729) zur Rechtswidrigkeit von Sklaverei geschrieben hat? (Und dass er seine Dokumente mit „Anton Wilhelm Amo, von Guinea in Afrika, Magister/Meister und Privatdozent für Philosophie und Geisteswissenschaft“ unterschrieb? Ist das nicht die geilste Unterschrift ever?! („Liebe Leute, fyi ich bin Schwarz. Und übrigens Unidozent in Deutschland.“)

In Schwarzes Europa. Legenden die uns verborgen blieben wird das Leben dieser und anderer Schwarzer Menschen erzählt, die die europäische Geschichte geprägt haben. Das Erzählen übernehmen junge Afrodeutsche zwischen 12 und 29 Jahren. Das Buch, das 2017 im Rahmen eines Jugendprojekts entstanden ist (geleitet von der der Afrodeutschen Pädagogin Maria Theresia Aden-Ugbomah), ist mehr als nur ein Porträtbuch. Es ist ein Dokument, das zeigt wie sich junge Menschen die Geschichten ihrer Ancestors aneignen, sich davon inspirieren und empowern lassen. Neben den Porträts haben die Autor:innen Gedichte, Briefe an die vorgestellten Personen und fiktive Tagebucheinträge aus der Sicht dieser Schwarzen Figuren geschrieben. Manch Formulierung ist etwas holprig, manches nicht 100 % korrekt (so hieß der Violonist etwa Chevalier de Saint Georges und nicht „des Saint Georges“), doch das nimmt diesen sehr persönlichen Beiträgen keinesfalls ihre große Relevanz und ihre unglaubliche Power! Schwarzes Europa ist dekoloniale Wissensproduktion in jeder Hinsicht: inhaltlich dekonstruiert es weiße Geschichtsschreibung, die die Beiträge Schwarzer Menschen zu oft unsichtbar macht, und das Schreibverfahren zeigt, dass man nicht promovierte:r Historiker:in sein muss, um ein faszinierendes, originelles und lehrreiches Buch zu europäischer Geschichte zu schreiben.
Ein Buch für Jugendliche ab 13, die europäische Geschichte mal aus anderer Perspektive entdecken wollen.

Unterschrieben: Élodie Malanda (alias Schwarzgelesen) von Luxemburg in Europa und Kongo in Afrika, Literaturwissenschaftlerin und begeisterte KJL-Leserin. (Sorry, das musste ich jetzt A.W. Amo nachmachen;-)

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